„Nick für ungut“, aber diese Netflix-Sitcom ist nicht lustig

Eine an den Haaren herbeigezogene Story, schablonenhafte Charaktere und Episoden mit Überlänge – zack, fertig: eine neue Netflix-Sitcom.

Die Thompson-Familie sitzt gerade zufällig im Wohnzimmer zusammen, um etwas Belangloses zu besprechen – da klingelt es plötzlich und eine Teenagerin namens Nicole aka Nick (Siena Agudong) steht vor der Tür, die behauptet, sie wäre eine entfernte Verwandte der Familie; ihre Eltern seien bei einem Autounfall ums Leben gekommen und nun habe sie das Pflegeheim zu den Thompsons geschickt. Diese Prämisse wird dem Zuschauer bereits in den ersten Minuten vor den Kopf geschmissen und man denkt sich schon hier: Geht’s eigentlich noch unglaubwürdiger? Oder alternativ: Ist das eine Zeitreise in die 80-er oder 90-er? Originell ist das nämlich obendrein auch nicht, was die neue Netflix-Sitcom „Nick für ungut“ („No Good Nick“) einem hier vorsetzt.

Die strenge und oft meckernde Mom Liz (Melissa Joan Hart, „Melissa & Joey“) macht deutlich, dass Nick ja nicht einfach so bleiben kann. „Fun-Daddy“ Ed (Sean Austin, „Stranger Things“) merkt zwar nachdenklich an, dass Nicks Erscheinen ein Schock ist, will sie aber nicht einfach so gehen lassen. Wie selbstverständlich bietet zum Glück Tochter Molly (Lauren Lindsey) an, dass Nick in ihr Zimmer einziehen kann. Nick gehört ja jetzt schließlich zur Familie, also seit geschlagenen fünf Minuten.

Nick ist schon am Ende der ersten Folge wie eine Schwester für Molly, die sie nie hatte. Der einzige, der Skepsis streut, ist Sohnemann und Highschool-Liebling Jeremy (Kalama Epstein). Er macht Nick frühzeitig klar, dass er sie im Auge behalten wird.

Denn das Wichtigste muss ja noch erwähnt werden: Nick ist natürlich in Wahrheit daran gelegen, möglichst viel Geld oder Wertgegenstände aus dem Haus der Thompson mitzunehmen – in erster Linie für ihren Vater, der sie regelmäßig aus dem Gefängnis anruft. Doch es kommt, wie es in einer Sitcom wie dieser kommen muss: Nick wird so herzlich von den Thompsons angenommen und als beinahe vollwertiges Familienmitglied integriert, dass es ihr zunehmend schwerfällt, ihre geheime Raub-Mission fortzusetzen.

„Nick für ungut“ bietet eine Story mit leicht rotem Faden an, das ist bei Sitcoms nicht immer selbstverständlich und hier vielleicht zumindest ein Aspekt, den man als lobenswert bezeichnen könnte. Wenn man wirklich will, könnte man die Serie also gut bingen. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, weshalb man sich gleich ein Theme für den Abspann gespart hat: Denn der kommt untypischer Weise für eine lustig gemeinte Serie bloß lautlos daher.

Leider ist „Nick für ungut“ nicht Ansatz lustig und das fängt leider schon bei der absurden Ausgangssituation an, die man nur schwer kaufen kann. Hinzu kommen Charaktere ohne Profil, dafür aber mit viel Klischee. Da gibt es die Umweltaktivistin Molly, die damit gerne in sozialen Netzwerken angibt, während ihr Bruder Jeremy alles dafür tun würde, endlich ein eigenes Auto zu bekommen und somit den Planeten zu töten. Mom Liz gilt als das „Brain“ der Familie, Dad Ed spielt dagegen gerne den „Heart“-Part. Diese Gegensätze, herrlich für eine Sitcom nach Schema F.

Und als ob das noch nicht genug wäre, ziehen sich die Folgen wie Kaugummi. Das liegt eben daran, dass Netflix es sich auch bei „Nick für ungut“ mal wieder nicht nehmen lässt, Episoden von teils 30 Minuten zu veröffentlichen – definitiv zu viel für diese qualitativ doch sehr magere Serie. Sitcom-Freunde, die über der Altersfreigabe von sechs Jahren liegen, dürften hieran nur wenig Freude haben.

Dieser Text erschien auch auf Quotenmeter.de.

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